Pfarramt Waldbrunn-Lahr 06479/325

Geh und handle genauso!

Jesus erzählt uns an diesem Sonntag eine Geschichte von einem Mann, der von Jerusalem nach Jericho hinabgeht, von Räubern ausgeplündert, halbtot geschlagen und dann hilflos liegen lassen.

Ich habe mir sagen lassen: der Weg von Jerusalem nach Jericho ist ein ziemlich einsamer Weg. Und es ist schon fast ein Wunder, dass ausgerechnet jetzt, wo der da halbtot liegt, drei Leute da vorbeikommen.

Zwei gehen an dem halbtot Daliegenden vorbei. Sie haben den unter die Räuber Gefallenen - so sagt es das Gleichnis ausdrücklich - liegen sehen - und sind an ihm vorbeigegangen.

Der Priester und der Levit, zwei Kleriker also, die schon von Berufs wegen Gott sehr nahe sein müssten, sehen nur das, worauf sie zulaufen.

Ob sie nicht daran gedacht haben zu helfen? Was hindert sie? Denken sie an „verlorene Zeit“? Wollen oder müssen sie unbedingt pünktlich sein? Dürfen sie als „Amtsträger“ und „Gesetzesdiener“ sich nicht unrein machen?

Ist den beiden „Gottesmännern“ der Gottesdienst wichtiger als der Dienst am Nächsten, das „Opfer“, die Liturgie, wichtiger als Barmherzigkeit? Ob ihnen nicht der Gedanke kam, wie es wäre, wenn sie selbst unter die Räuber gefallen wären?

Dann kommt ein Samariter, beugt sich zum halbtot Daliegenden hinab und streckt seine Arme nach ihm aus. Fremde Hilfe kommt ihm entgegen. Er darf auf Rettung hoffen. Er ist nicht verloren.

Ausgerechnet der Samariter, ein Ausländer, ein halber Heide, ein Ketzer, lässt sich von fremder Not berühren, wendet sich dem, der Hilfe braucht zu, tut, was er kann, investiert Zeit und Geld, handelt selbstlos und barmherzig und wird so zum Nächsten für den, der überfallen und zur Strecke gebracht wurde und der in seinem erbärmlichem Zustand nichts mehr braucht als Hilfe und Rettung.

Nirgends steht, dass der unter die Räuber Gefallene ein besonders liebenswerter Mensch war. Es gibt Menschen, die sind gar nicht sympathisch, ja geradezu unausstehlich.

Es wird nicht einmal erwähnt, ob der Überfallene, Ausgeraubte, Schwerverletzte, dem Hilfe zuteilwurde, sich bedankt hat. Seine menschlichen Eigenschaften stehen für Jesus nicht im Vordergrund. Nur das ist von Bedeutung, dass er ein Mensch war, der aus eigener Kraft nicht mehr hoch- und davonkam.

Und nirgends steht, dass der Samariter begeistert war, als er den Hilflosen sah. Er war ja unterwegs. Er hatte etwas vor. Er wollte auch ein Ziel erreichen. Dass er jetzt aufgehalten wurde, sich um einen anderen kümmern musste, kam ihm durchaus quer.

Das war ihm wahrscheinlich gar nicht recht. Das kostete Zeit - und wie sich dann herausstellte - auch Geld.

Vielleicht hat er sich sogar geärgert, hat bei sich gedacht:

So ein Mist! Dass das ausgerechnet mir wieder passiert! Wäre ich doch zwei Stunden früher gekommen, dann hätte er noch nicht dagelegen (aber vielleicht er selber?), oder zwei Stunden später, dann hätte sich jemand anders um diesen da kümmern müssen (aber vielleicht wäre dann alle Hilfe zu spät gekommen?).

Auch Empfindungen dieses Mannes stehen nicht im Vordergrund.

Für Jesus ist an ihm wichtig, wie er reagiert, dass er reagiert auf das, was ihm begegnet, was er sieht, in dem Moment, wo er zufällig des Weges kommt und auf einen stößt, der ohne eigene Schuld grausam zugerichtet wurde.

Die Frage Jesu am Schluss des Gleichnisses klingt unerwartet. Der Gesetzeslehrer wollte wissen: „Wer ist mein Nächster?“ Jesus formt die Frage um und sagt: „Wer von den Dreien hat sich als Nächster dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde?“

Mit anderen Worten: Für Jesus geht es nicht darum den „Nächsten“ zu definieren und theoretisch darüber zu diskutieren, sondern im entscheidenden Augenblick selber Nächster zu sein und als Nächster zu handeln. Das „Handeln“ steht im Vordergrund. „Handle so wie der Samariter gehandelt hat und du wirst leben!“

Die christliche Tradition hat sehr früh den Samariter mit Jesus identifiziert. Das hat einen guten Sinn. Denn wir lesen immer wieder von Jesus, dass er Mitleid hatte mit Kranken und Leidenden, dass er sich hinab beugte, sie berührte und aufrichtete.

So kniet Jesus vor uns als Heiland aller Menschen, als der „Nächste schlechthin“, der jedem nahe ist, der seine Hilfe braucht, der uns geliebt und sich für uns hingegeben hat. Und er kniet vor uns als unser Lehrer und Meister, der uns zeigt, was Liebe ist, der uns beibringt, wann und wie man Barmherzigkeit praktisch lebt und konkrete Liebe übt.

Und er sagt uns: Lass dich einfach von der Not anderer ansprechen! Lass dich von ihrem Leid berühren! Hab Mitleid mit denen, die ganz unten sind, am Ende und die von allein nicht mehr hochkommen! Hilf, wo Hilfe nötig ist! Hefte deinen Blick auf den Samariter, auf mich, Christus! Und dann geh und handle genauso!

Text: Markus Bendel Bildquelle: https://www.churchofjesuschrist.org/media-library/images/the-good-samaritan-82691?lang=deu

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